Nachtrag 11

 

Ach und die HEILE WELT?

Und die Götter, die weisen, die wiegen sachte die Köpfe.

Alles geschieht zur rechten Zeit, denken sie sich und die vom Verein, die Aufrechten sollen nun die ihre bekommen.
Denken die Götter und lächeln und lenken:

Der Verein findet ein neues Domizil. Da kommt einer, der hat einen Stall und einen Reitplatz und ein Gelände und stellt das zur Verfügung. Für den guten Zweck. Für die gute Sache.

Auf ein Neues!

Aufs Neue auf der Suche nach der heilen Welt.

Aber das, das ist eine andere Geschichte.

Denn jetzt ist wirklich….

ENDE

vielleicht

🙂

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Nachtrag 10

 

Es ist Herbst geworden. Kalter Wind zieht böig um die Mauern des Schlosses und treibt ein paar dürre Blätter vor sich her. Es ist still geworden in Ehrlichstett, seit die Kinder und die Ponys das Schloss verlassen hatten. Das große Tor quietscht inzwischen, seit es so selten bewegt wird, es quietscht nun, als einer es öffnet und langsam das verlassene Gelände betritt.

Keiner ist hier, das spürt er. Verlassen liegt das Schloss in Grabesruhe, die Mauern kalt und unbewohnt die Fenster blind, dunkel in der hereinbrechenden frühen Dämmerung.

Ein paar Raben picken im Laub vor der Freitreppe und sehen auf, als der Fremde nähertritt.

Der Fremde.

Eine hagere Gestalt, in einen schlotterig weiten dunkeln Mantel gehüllt, eine Pelzmütze auf dem Kopf, als wäre er von Norden gekommen. Weit vom Norden mit dem Wind, dem kalten. In seiner Hand ein kleiner Koffer, schäbig, abgestoßen.

Seltsame Augen hat der Fremde, hell, wie gesplittertes Glas, sein blasser Blick fährt nun die Fassade des Schlosses hinauf und hinunter und ein leise Lächeln legt sich auf seine farblosen trockenen Lippen.

Seine Gestalt strafft sich, als er noch nähertritt und die Raben mit empörtem Kreischen auffliegen. Sie versammeln sich in den dürren Bäumen und betrachten den Fremden misstrauisch.

Dieser geht nun die Stiegen hinauf, zur alten Holztür. Prüfend nimmt er die Klinke in die Hand und rüttelt daran. Verschlossen.

Er legt den Koffer auf die Balustrade und öffnet ihn. Eine Posaune ist darin goldblitzend und blinkend, fast erschreckend anzusehen, in allem dem Grauen, Nebligen, Dämmrigen.

Er setzt das Instrument zusammen und bläst sachte hinein. Ein leiser Hauch, ein unrundes Scheppern und dann, voll tönend, ein schriller Schrei aus dem Instrument, fast wie der Laut eines urzeitlichen Tieres. Eines Tieres, das nun hier ist.

Endlich hier, angekommen,

zuhause.

Die Raben fliegen erschrocken auf und drehen kreischend Runden um die Schlosszinnen. Ihr Diskant mischt sich mit dem triumphierenden der Posaune. Der Fremde, er lächelt, fast warm erstrahlt sein Lächeln, wie ein leuchten, wie ein Triumph.

Und die Götter, die weisen, die nicken sachte mit den Köpfen.

Jeder, denken sie sich,

jeder bekommt, was er verdient.

Nachtrag 9

 

Manchmal nimmt das Schicksal einen komischen Lauf: Die Popularität von Tammis Lied, das Interesse an der Geschichte dahinter, die Öffentlichkeit, die sich plötzlich neugierig auf die Geschichte mit all ihren Ungereimtheiten stürzt.

Diese Popularität und Corinnes Kontakte: LIBERTAS HAUS wird verfilmt. Die Geschichte kommt als Serienformat erst in den Stream und dann ins Deutsche Fernsehen und auf einmal interessieren sich alle dafür.

Ein Zufall, kein Zufall, dass ein Rerchercheur namens Naurocks plötzlich auftaucht und umfangreiche Ergebnisse zu gewissen Vorgängen in einem gewissen kleinen ostdeutsche Örtchen liefert? Ein Reporter taucht ebenfalls aus dem Nichts auf; hier startet die dritte Karriere des Rudi Heitmann und sorgt dafür, dass diese Ermittlungen nicht geheim bleiben.
Und plötzlich kriegt das Ganze Eigendynamik: Köpfe rollen, und das nicht zu knapp. Bürgermeister Schmohl kann die nächste Wahl nicht für sich entscheiden und auch seine Parteifreunde haben plötzlich keine Zeit mehr für ihn. Die Sache mit der Laguna wird ein Riesen-Steuerverschwendungsskandal und bundesweit durchgehechelt.

Ein Amtsleiter muss den Posten wechseln und verschwindet in der dürrsten ostdeutschen Provinz, wo er keinen Schaden mehr anrichten kann

Einem Mitglied der Landesregierung wird nahegelegt, seinen Abschied aus gesundheitlichen Gründen einzureichen. Und sich von einer gewissen Immobilie fernzuhalten. Weit fernzuhalten.

Ein Richter verliert seine Stelle – geht das eigentlich?

Mal sehen.

Ach, und irgendwann wurde der Pressrat tätig und hat das sonderbare journalistische Niveau einer sich unparteilich nennenden Zeitung kritisiert und ein Lokalreporter muss sich einen neuen Job suchen. Leider ist er hat er in der Vergangenheit nicht eben bewiesen, dass er das journalistische Recherchieren beherrscht, daher schafft er es nur bis ins jährliche Magazin des Kaninchenzüchterverbandes.

Immerhin.

Unbekannte bringen ein Schild über dem Ortseingangsschild der Stadt Ehrlichstett an: „Hier wurde der Verein HEILE WELT vertrieben. Glück auf!“

Ein Foto hiervon schaffte es über die sozialen Medien bis in die Bundesberichterstattung und taucht in der Tagesschau auf.

Lustig!

Wirft leider kein besonders sympathisches Licht auf den Wilden Osten…

Nachtrag 8

 

Der Klapsmann träumt. Er bewegt sich hektisch im Schlaf, schleudert die Decken von sich, zerwühlt das Kissen. Er grimassiert, runzelt die Stirn, stöhnt leise. Plötzlich überzieht ein Lächeln sein Gesicht, er entspannt sich, er leuchtet, er sieht es vor sich.

Die Bilder, sie durchziehen seinen Traum.

Seinen Traum.

Der Verein zerstört, zerfallen, zerschlagen.

Er sieht seine Hände, sie tragen eine Axt, ein Beil, er zertrümmert die Zäune, die Ställe, er vertreibt die Viecher, die lästigen, er sieht die Kinder, wie sie greinen, wie sie weinen und er schleudert ihnen ein Lachen entgegen, ein triumphierendes. Sein Traum leuchtet.

Er sieht eine Maschine, sein Trecker, riesengroß, die riesigen Reifen, das Röhren des Motors, wie er die Stallungen platt walzt, er sieht die Leute dort, wie sie verzweifeln, wie sie heulen und jede der Tränen erwärmt sein Herz.

Er sieht sich… er atmet tief ein, er holt tief Luft, die heiß ist und er erwärmt sich in seinem Traum, er sieht sich selbst mit einer Schaufel, wie er dem Schneider den Schädel einschlägt. Er sieht Blut fließen, dunkelrot und saftig, die Kinder, wie sie nun rennen, durcheinander auf der Flucht. Menschen, die kommen und versuchen zu retten, was zu retten ist, die Pferde vom Gelände zerren, die ihr Hab und Gut versuchen davonzutragen.

Flucht, Chaos.

Und Angst.

Er spürt die Angst, und er berauscht sich. An der Angst, die sie haben und an der Macht die er hat. Endlich.

Endlich wieder Macht.

Über das alles.

Was seines ist.

Nachtrag 7

 

Polizei deckt Netz von Pädophilen auf

Neue Ostdeutsche Zeitung vom 13.09.2017

Überparteilich & unabhängig

VERBRECHEN Umfassende Ermittlungen in Ehrlichstett

VON SVEA GRÜN

Ehrlichstett / NOZ – Nach der Aufdeckung mehrerer pädophiler Netzwerke im Internet durch die Polizei sind am Dienstag erste Verdächtige festgenommen worden. In Ehrlichstett ergriff die Polizei einen Mann und beschlagnahmte seinen Computer. Er soll bereits zuvor wegen des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen verurteilt worden sein.

Die Polizei hat bislang auch weitere Männer identifiziert, die im sogenannten Darknet Kinder missbrauchen und Filmmaterial davon verbreitet haben sollen. Insgesamt konnten die Beamten bundesweit 5000 Benutzerkonten registrieren.

Seit Januar hat ein Team von 25 Ermittlern das Treiben beobachtet. Den entscheidenden Tipp, der nach Ehrlichstett führte, bekamen die Beamten von einer eigenständig im Internet ermittelnden Privatperson, so die Pressestelle der Polizei.

Derzeit wird gegen 22 Personen ermittelt. Vom Computer eines weiteren Ehrlichstetters sollen große Datenmengen versandt worden sein, dieser eine zentrale Rolle gespielt haben.

Nach Angaben der Polizei verfügten viele der Männer über eine hohe Internetkompetenz und wussten wie sie sich den Zugang zum durch Codes geschützten Darknet beschaffen können.

Nachtrag 6

 

Ach, Tammi macht den großen Wurf, übrigens. Dieses kleine Lied, das sie geschrieben hat und im Internet auf ihrem Kanal vorgestellt hat, das wird über Nacht ein atemberaubender Hit, alle lieben es und keiner kann mehr genug davon kriegen. Landauf landab wird es im Radio, im Netz, im TV gedudelt und jeder zwitschert es mit, das Lied von den tapferen Unbeugsamen im kleinen Ehrlichstett.

Und Tammi muss sich entscheiden. Den Erfolg mitnehmen und weiter Musik machen oder ihr Studium weiterführen, ihre Pferde, ihre sportlichen Pläne.

Na dann Tammi – überlege gut!

Nachtrag 5

 

Räumung bis zum Monatsende

Neue Ostdeutsche Zeitung vom 10.08.2017

Überparteilich & unabhängig

 

SCHLOSSGELÄNDE EHRLICHSTETT Die Tage des Reitvereins HEILE WELT sind gezählt. Was wird aus den privaten Pferden?

VON DETLEF DROBBEL

Ehrlichstett / NOZ – Die Tage des Reitvereins HEILE WELT auf dem Gelände des Schlosses in Ehrlichstett sind gezählt. Das sagt der Eigentümer, Vorsitzender der Schloss-Stiftung. Ihm zufolge hat ein Gerichtsvollzieher dem Verein für die Räumung des Geländes eine Frist bis Ende des Monats gesetzt.

Ist dies das Ende des jahrelangen Streits um die Kündigung des Pachtvertrages zwischen Verein und Schlossbesitzer? Dieser war zuvor vor Gericht ausgetragen worden und zu Gunsten des Schlossbesitzers ausgegangen. Gerüchte im die Ursache des Brandes vom Frühjahr der weite Teile des Schlosses zerstörte tun nun ein Übriges und schaffe eine neue Dringlichkeit, den Verein vom Gelände zu entfernen. Der Verein sei nun zahlungsunfähig.

Der Schlossbesitzer hatte deshalb schon vor Wochen über die NOZ und Aushänge am Schlosseingang aufgefordert, über den Verein auf dem Schlossgelände untergestellte Pferde zu entfernen.

Nachtrag 4

 

Und der Verein?

Auf Grund des dann allerorten so genannten Gefälligkeitsurteils zu Gunsten des neuen Schlossbesitzers muss der Verein HEILE WELT dann einen Insolvenzantrag stellen.

In der Bevölkerung findet die HEILE WELT weiterhin breite Anerkennung und Anteilnahme. Mit fast 600 Unterschriften haben Menschen aus der Umgebung ihre Unterstützung zugesichert und sich dafür ausgesprochen, dass der Verein bleiben soll.

Auf Grund des Gerichtsurteils kann dies jedoch nicht geschehen. Der Verein sucht ein neues Domizil.

Unser Freund Detlef Drobbel und seine NOZ unterstützen den neuen Schlossherrn massiv beim Vertreiben des Vereins. Detlef reizt die Regeln der Pressefreiheit weidlich aus und bringt einen ganz schöne Menge Falschmeldungen über die Untaten des Vereins unters das Volk, die für eine Menge Verwirrung sorgen.

Aber, wie man ja weiß – Totgesagte leben länger – und – wer weiß, was für ein Schicksal die Götter für die tapferen Recken des Vereins, für Gerhard, Desi, Dieter und die anderen bereithalten.

Dass es hier enden soll, neeee, das können wir uns nicht vorstellen.

Nachtrag 3

Reporter Rudi Heitmann von der HIER hat gekündigt und ist nach Berlin gegangen.

Von ihm hört man nichts mehr…zunächst.

Wer weiß, wie das Leben noch so spielt.