Ehrlichstett, Oktober 2016

 

Langsam geht der Richter den Teichweg entlang.

Er hat eine Idylle erwartet. Das ist das, was ihm geschildert wurde.

Aber das ist nicht, was er vorfindet, denkt er.

Als er sich langsam auf eine Bank am Rande des Geschehens setzt, rennt ein riesiger ungeschlachter Junge mit groben mongoloiden Gesichtszügen an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten. Neben ihm ein übermütig galoppierendes winziges krummbeiniges Pony. Der Junge stößt gutturale Laute aus, die unmissverständlich Entzücken äußern. Abrupt bleibt das Pony stehen und die Laute des Jungen werden laut und verzweifelt, als es ihm nicht gelingt, das Pferchen zum Weiterlaufen zu bewegen. Tränen beginnen die runden Wangen des Jungen hinunterzulaufen. Ein etwa 10 jähriges Mädchen, das dem riesigen Jungen nur bis etwa zur Brust reicht, kommt gelaufen und bringt das Pony mit energischen Rucken an der Leine wieder in Gang. Sofort löst ein Strahlen auf dem Gesicht des Jungen die Tränen ab und er nimmt die Leine aus der Hand des Mädchens und setzt seinen Weg mit dem Pony fort.

Auf dem Reitplatz steht eine Reihe hoch aussehender Hindernisse und eine schlanke junge Frau mit langem schwarzen Haar unterrichtet eine Gruppe von Jugendlichen. Der Richter ist kein Experte, aber ihn beeindruckt der sichere und gelassene Umgang der Kinder mit den Pferden und den für ihn gefährlich hohen Sprüngen. Und er vermisst den an Reitställen üblichen Kommandoton. Hier fällt kein lautes Wort und Lob scheint das einzige zu sein, das man von der jungen Frau hört. In einer Ecke dieses Reitplatzes sieht der Richter ein weiteres größeres Mädchen, das einem Kind hilft, ein dickes schwarzes Pony um bunte Kegel zu führen. Die Reiterinnen stören sich nicht an den Dreien, sondern machen mit ihren Pferden gekonnt Platz, wenn das Pony nicht so will, wie das Kind.

Unter den Bäumen steht eine Anzahl von Pferden, große und kleine. Eine chaotische Menge Kinder und einige Erwachsene laufen dort herum.

Es ist laut.

Ganz schön gefährlich, denkt der Richter. Was wenn eines der Tiere jetzt durchdreht und tritt? Aber die Pferde sind die Ruhe selbst. Die Ausgelassenheit der Kinder scheint sie nicht zu stören.

Hier sieht er auch die Haalswor. Er kennt sie, man spricht über sie und ihren Kunstprozess. Nicht eben die besten Karten, die Gute, denkt er.

Und dann das hier.

Seufzend schließt der Richter die Augen.

Die sanfte Herbstsonne streichelt seine Wangen.

In seinem Gerichtssaal fanden sie alle zusammen: Diese Künstlerin, der strenge Vereinsvorsitzende, die Anwälte und bittere alte Männer voller Selbstgerechtigkeit und Vorwürfe, die drehen und wenden und deuten an einem Vertrag, der eindeutig etwas anderes aussagt.

Lügen und Halbwahrheit, verwirrende Aussagen, die sich widersprechen und Angst. Angst und Hass. Angst wovor und Hass wogegen? Kinder mit Ponys? Vorstellungen, die so nicht verwirklicht wurden?

Moral oder Gesetz?

Form oder Gerechtigkeit?

Die Zukunft dieses Vereins liegt in den Händen des Richters, das ist ihm klar.

Er kann entscheiden, er muss richten.

Und die Erwartungen die man an ihn hat, sind auch klar.

Es gibt solche und solche Richter, denkt der Richter.

Und er ärgert sich, dass er gekommen ist. Dass er sich hat verführen lassen, sich das anzusehen. Wovor sie alle so eine Angst haben.

Dass er jetzt hier sitzt, am Rande und sich das ansieht.

Er soll richten.

Entscheiden.

Recht oder Gerechtigkeit?

Er kennt die ganze Geschichte und er kennt die Lösung.

Die einfache Lösung.

Formfehler – und zack – weg mit dem Verein und Friede auf Erden. Der Verein hat keine Ressourcen, die Haalswor ist am Ende mit ihrem Kunstverbot, da ist nicht viel Widerstand zu befürchten, die Sache wäre vom Tisch, ausgestanden, alle zufrieden, auch sein Studienfreund, der ihn über die Hintergründe aufgeklärt hat, als der Fall in seinem Gerichtssaal landete.

Einzig die Presse, die noch eine Überlegung wert wäre. Die Presse liebt die Haalswor und diesen Verein, es ist zu erwarten, dass darüber berichtet wird, regional, vielleicht sogar überregional, bundesweit, über sein Urteil.

Das Schreien und Jubeln, der Kinder, der Gesang der Vögel, das zufriedene Schnauben und das dumpfe Geräusch der Pferdehufe im Sand.

Im Rücken des Richters kauert das Schloss, scheint aus seinen blinden Fenstern die Sache zu beobachten. Stumm, still, eingezäunt, hinter Gittern ruht es wie ein Gefangener, wie ein Wartender, wartet auf die Entscheidung des Richters. Der Richter fühlt sich an das Märchen von Oscar Wilde erinnert, ein sentimentales Stück, von dem Riesen, der die Kinder aus seinem Schloss vertreibt und dafür den ewigen Winter erntet.

Ein Formfehler, denkt der Richter, ein Formfehler, würde hier den ewigen Winter schaffen, wo ewiger Winter erwünscht ist.

Das was, er hier sieht, ist keine Idylle.

Die Behinderten stören das Bild von der heilen Welt mit ihren Lauten und ihren groben Bewegungen. Manche der anderen Kinder sind deutlich aus sozial niederen Schichten. Dies ist kein eleganter Reitstall, wie man ihn sich bei einem Schloss wünscht.

Und keine Idylle.

Es ist das Leben, denkt der Richter, als er endlich die Augen öffnet. Das pralle Leben mit all seinen Facetten, seinen Lauten, seinen Träumen, seinen Möglichkeiten. Und einem Schuss Anarchie, Unberechenbarkeit, Unplanbarkeit, einem Schuss Paradies. Nichts, was zu tun hat mit der Klarheit der Gesetze, der winterlichen Dürre von Texten und Formvorgaben, denkt er. Auch wenn diese hier keine Gesetze brechen und wie Opferlämmer auch die absurdesten Vorstellungen und Vorschriften ihres Vermieters eingehalten haben.

Auch dann.

Trotzdem.

Zu viel Leben.

Für das Schloss des Riesen.

Und ich soll richten, denkt er, der Richter, der sich die Mühe gemacht hat, zu kommen und zu sehen, der den Wunsch hatte nach einer Meinung.

Der die Darstellungen gehört hat in seinem Gerichtssaal, die Schilderungen von bitteren alten Männern, von selbstsüchtigen Riesen, die keinen Frühling wünschen, die Lügen einer unsicher stammelnden verängstigten Frau. Verträge, die nachher umgedacht und umgedeutet wurden, Worte, die gedreht und verdreht werden, bis sie keinen Sinn mehr ergeben.

Wie soll ich richten, denkt der Richter.

Soll ich das Leben wählen, mit all seinen Unvorhersehbarkeiten und der Gefahr, hier keine Sicherheit schaffen zu können, einen ewigen Krieg einzuleiten oder soll ich den Winter wählen, die Klarheit eines Formfehlers, der all dem ein Ende macht?

Soll ich Recht sprechen?

Oder Gerechtigkeit?

Ein uraltes Paar kommt langsam den Weg entlang.

Mit winzigen Schritten, eine uralte, krumme Frau und ein Greis der sich schwer auf ihre magere Schulter stützt.

Mit schlurfenden Schrittchen nähert sich das Paar der Bank und der Richter rutscht ein Stück zur Seite, damit die beiden Platz haben.

Ein Strahlen liegt auf den Runzeln der Greisin, als sie dem Richter ihr Gesicht zuwendet, mit ihren vom Alter trüben Augen seinen Blick sucht und sagt: „Ist es nicht wundervoll?“

Ihre Stimme ist brüchig, wie altes Papier.

„Wir kommen jeden Tag hierher, mein Mann und ich. Wir waren schon als junge Leute immer hier.“ Sie macht eine Pause, in der sie Luft holt: “Endlich ist das Schloss wieder offen. Es war solange verschlossen. Und dann dies hier?“ Ihr Blick schweift über die Kinder, die Tiere, die Bäume, deren Laub in goldenen und bunten Farben erstrahlt, bunt, wie die Szenerie, die sich vor ihnen abspielt.
„Ist es nicht wunderbar?“ Wiederholt sie.

„Nein,“ sagt der Richter unhöflich und steht auf.

„Es ist nicht wunderbar.

Ein Problem ist es. Nichts als ein Problem“

Doch das Lächeln auf dem Gesicht der Greisin bliebt, auch als der Richter mit entschiedenen Schritten den Weg zurück zum Parkplatz geht.

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Traumsequenz 1

 

Wenn die Kinder am Nachmittag aus der Schule kamen, gingen sie für gewöhnlich in den Garten des Riesen, um dort zu spielen.
Es war ein großer, wunderschöner Garten mit weichem grünen Gras. Hier und da standen prächtige Blumen sternengleich auf der Wiese, außerdem Pfirsichbäume, die im Frühjahr zarte Blüten in rosa und perlweiß hervorbrachten und im Herbst reiche Frucht trugen. Die Vögel saßen in den Bäumen und sangen so lieblich, dass die Kinder im Spiel innehielten, um ihnen zuzuhören. „Wie glücklich sind wir doch hier!“, riefen sie einander zu.

Eines Tages kam der Riese zurück. Er hatte seinen Freund besucht, den Menschenfresser von Cornwall, und er war sieben Jahre lang bei ihm geblieben. Nachdem die sieben Jahre vergangen waren, hatte der Riese all das gesagt, was zu sagen war; seine Gesprächsbereitschaft war nämlich begrenzt, und so entschied er sich dafür, in sein eigenes Schloss zurückzukehren. Als er dort ankam, sah er die Kinder in seinem Garten spielen.
„Was macht ihr hier?“, schrie er mit äußerst mürrischer Stimme und die Kinder liefen verängstigt davon.
„Mein eigener Garten ist immer noch mein eigener Garten“, sagte der Riese, „das muss jeder einsehen, und ich werde niemals jemandem außer mir selbst erlauben, darin zu spielen“. Und so errichtete er eine hohe Mauer rings um den Garten und stellte ein Warnschild mit den folgenden Worten auf: Unbefugten ist der Zutritt bei Strafe verboten! – Er war wirklich ein sehr selbstsüchtiger Riese.

Die armen Kinder hatten von nun an keinen Ort mehr, wo sie spielen konnten. Sie versuchten auf der Straße zu spielen, aber diese war sehr staubig und voll mit spitzen Steinen, und das gefiel den Kindern nicht. Immer wieder schlenderten sie nach dem Unterricht um die hohe Mauer herum und sprachen von dem herrlichen Garten, der dahinter verborgen lag. „Wie glücklich waren wir doch dort“, sagten sie zueinander.

Dann kam der Frühling und überall – landauf, landab – waren kleine Blüten zu sehen, und junge Vögel zwitscherten vergnügt. Nur im Garten des selbstsüchtigen Riesen war immer noch Winter. Die Vögel wollten dort nicht singen und die Bäume vergaßen zu blühen, weil keine Kinder mehr da waren.
Einmal streckte eine wunderschöne Blume ihren Kopf aus dem Gras heraus, aber als sie das Hinweisschild sah, hatte sie so großes Mitleid mit den Kindern, dass sie sich sofort wieder in den Boden zum Schlafen zurückzog. Die einzigen, denen der Garten noch gefiel, waren der Schnee und der Frost. „Der Frühling hat diesen Garten vergessen“, riefen sie erfreut, „wir werden das ganze Jahr über hier bleiben“. Der Schnee bedeckte das Gras mit seinem dicken weißen Mantel und der Frost ließ alle Bäume silbern erscheinen. Dann luden sie den Nordwind ein, ihnen Gesellschaft zu leisten – und er kam. Er war in warme Felle gehüllt, brüllte unaufhörlich durch den Garten und blies die Schornsteinbleche hinunter. „Welch ein herrlicher Platz“, schwärmte er, „wir sollten den Hagel bitten, uns zu besuchen“. Und der Hagel kam. Jeden Tag prasselte er drei Stunden lang auf das Dach des Schlosses, bis er fast alle Ziegel zerstört hatte, und danach sauste er, so schnell er konnte, quer durch den Garten. Er war ganz in grau gekleidet und sein Atem war so kalt wie Eis.
„Ich kann nicht verstehen, warum der Frühling in diesem Jahr so spät kommt“, sagte der selbstsüchtige Riese, als er an dem Fenster saß und in seinen kalten weißen Garten blickte; „ich hoffe, dass sich das Wetter bald ändert“.

Aber es kamen weder Frühling noch Sommer. Der Herbst beschenkte jeden Garten mit goldenen Früchten, nur den Garten des Riesen sparte er aus. „Er ist zu selbstsüchtig“, sagte der Herbst. So war anhaltender Winter im Garten; und der Nordwind, der Hagel, der Frost und der Schnee tanzten im Wechsel zwischen den Bäumen herum.

Eines Morgens lag der Riese wach in seinem Bett, als er eine wunderschöne Musik hörte. Sie klang so lieblich in seinen Ohren, dass er dachte, es könnten nur die Musiker des Königs sein, die vorbeizögen. In Wirklichkeit aber war es nur ein kleiner Hänfling, der draußen vor seinem Fenster sang; aber es war so lange her, seit er einen Vogel in seinem Garten hatte singen hören, dass er das Gefühl hatte, die schönste Musik der Welt zu vernehmen. In diesem Moment hörte der Hagel auf, über seinem Kopf herumzutanzen, der Nordwind stellte sein Gebrüll ein und ein köstlicher Duft strömte ihm durch das geöffnete Fenster entgegen. „Ich glaube, nun kommt der Frühling wohl doch noch“, sagte der Riese, sprang aus dem Bett und guckte nach draußen.
Und was sah er da?

Es war der wundervollste Anblick, den man sich denken konnte. Die Kinder waren durch ein kleines Loch in der Mauer in den Garten gekrochen und saßen nun auf den Zweigen der Bäume – in jedem Baum, den er sehen konnte, ein kleines Kind. Und die Bäume waren so froh, die Kinder endlich wieder bei sich zu haben, dass sie sich mit Blüten schmückten und ihre Zweige gleich schützenden Händen über den Köpfen der Kinder auf und ab bewegten. Die Vögel flogen umher und zwitscherten vor Vergnügen und die Blumen schauten lachend aus dem frischen grünen Gras heraus. Es war ein anmutiges Bild, nur in einer Ecke des Gartens war noch immer Winter. Dort, in dem entferntesten Winkel, stand ein kleiner Junge. Er war so klein, dass er nicht an die Zweige des Baumes heranreichen konnte; immer wieder ging er um ihn herum und weinte bitterlich. Der arme Baum war immer noch über und über mit Eis und Schnee bedeckt und der Nordwind blies und heulte über ihn hinweg. „Klettere nur hinauf, kleiner Junge!“, sagte der Baum freundlich, und beugte seine Zweige so tief herunter, wie er konnte, aber der Junge war einfach zu klein.

Als der Riese das sah, wurde es ihm ganz warm um das Herz. „Wie selbstsüchtig bin ich gewesen!“, sprach er reumütig zu sich selbst, „jetzt verstehe ich, warum der Frühling nicht in meinen Garten kommen wollte. Ich werde den kleinen Jungen auf die Spitze des Baumes setzen und danach die Mauer niederreißen. Von nun an soll der Garten auf ewig der Spielplatz der Kinder sein“. Er bedauerte aufrichtig, was er getan hatte.

Der Riese schlich nach unten, öffnete ganz leise die Haustür und trat in den Garten. Aber als die Kinder ihn sahen, hatten sie solche Angst, dass sie alle davonrannten – und augenblicklich wurde es wieder Winter im Garten. Nur der kleine Junge lief nicht fort; denn er hatte, da seine Augen ganz mit Tränen gefüllt waren, den Riesen nicht kommen sehen. Dieser näherte sich dem Jungen ganz vorsichtig von hinten, nahm ihn sanft in seine Hand und setzte ihn in den Baum. Unverzüglich erstrahlte der Baum in üppiger Blütenpracht und die Vögel kamen, setzten sich hinein und sangen; und der kleine Junge streckte seine Arme aus, schlang sie dem Riesen um den Hals und küsste ihn. Und als all die anderen Kinder sahen, dass der Riese nicht länger böse war, kamen sie eilig zurück – und mit ihnen kam der Frühling. „Von nun an, Kinder, ist dies euer Garten“, sagte der Riese, nahm eine riesige Axt und riss die Mauer nieder. Und als die Menschen um die Mittagszeit zum Markt gingen, sahen sie den Riesen mit den Kindern im Garten spielen, dem schönsten Garten, den sie jemals gesehen hatten.

Ehrlichstett, September 2016

 

Bling, das Handy gibt ein kurzes Geräusch von sich. Gähnend dreht Tamara sich auf den Bauch, greift neben sich nach dem Gerät, entsperrt den Bildschirm und liest die Nachricht:
– Komm mal runter. Schnell!
„Oh Mann,“ sie gähnt.

Es ist mitten in der Nacht. Irgendwie zwei oder drei oder so. Sie ist auf dem Bett eingeschlafen. Sie hat noch im Stream eine Serie angeguckt und ist dann eingeschlafen. Der Computer flackert milchig und unbeachtet vor sich hin, ist vom Bett gerutscht und liegt nun aufgeklappt davor. Hund liegt als struppiges schwarzes Bündel am Fußende des Bettes und schnauft leise. Das Leuchten des Bildschirms taucht den Raum in dämmriges Zwielicht.

  • Warum? schreibt sie und gähnt wieder.
  • Überraschung, flackert es sofort zurück.

Langsam steht sie auf und geht ans Fenster. Suchend sieht sie in die mondlose Nacht. Finstere Schwärze, doch da, im Torbogen vor dem Stall, ein Licht.

„Oh, Mann,“ flucht sie leise, als sie ihre Schuhe sucht. Geht sie da jetzt wirklich runter? Augenscheinlich. Was er wohl will, mitten in der Nacht? Sie ist genervt, aber auch neugierig.

Langsam geht sie zur Zimmertür. Hund ist nun auch aufgewacht und will mit. Energisch schiebt sie ihn mit dem Fuß zurück und schließt die Tür vor seiner kleinen schwarzen Nase. Sie verharrt noch eine Minute und hört dann seine kleinen Krallen zum Bett zurücktappen.
Sie geht den Flur hinunter. Aus der Wohnung, den Turm hinab und über den Hof auf den blassenbläulichen Lichtschein im Torbogen zu.

Ein überwältigender süsslicher Geruch empfängt sie.

Ein Blumenstrauß, ein riesiger Blumenstrauß, Chrysanthemen, Rosen, Nelken, eine überwältige Farbenpracht, die selbst im Grau der dunklen Nacht schillert und leuchtet.

„Bist du betrunken?“ Sie ist verblüfft. Verwirrt und verblüfft.

„Gute Frage!“

Er kommt zu ihr, kommt dicht an sie heran, sodass sich nur noch der riesige Blumenstrauß zwischen ihnen befindet.

„Jetzt entspannt sich mal Tammi,“ flüstert er und sein leicht belustigter Tonfall lässt sie ganz weich werden.

Diese zwei Sekunden in denen sie sich jetzt gegenüberstehen, ihre Körper so nah beieinander, dass man den Atem des Anderen hört und spürt. Diese zwei Sekunden, in denen die Spannung sich bis ins Unerträgliche verdichtet, diese zwei Sekunden in denen der Moment etwas in ihr in Bewegung bringt, in denen sein Gesicht das schönste der Welt ist und sein Körper begehrenswert, wie normalerweise nur unbekannte Körper begehrenswert sein können.

Jakob lässt den Blumenstrauß fallen. Sie spürt seine Hände auf ihrem Gesicht. Jakobs Hände in ihrem Haar, Jakobs Hände in ihrem Nacken. Sie hört endgültig auf zu atmen. Was machen wir hier? denkt sie. Was passiert mit mir? denkt sie.

Das ist doch nur Jakob, denkt sie. Dann hört sie auf zu denken, weil Jakob seine Lippen an ihre presst.

Jakob hat feste weiche Lippen. Feste Hände, die sie heranziehen. Sie lässt sich auffangen, presst sich an seine Brust, presst sich in seinen Griff, der sich nur gelegentlich lockert, um ihr sanft über die Wange zu streichen. Er küsst sie nicht grandioser als sonst, das Küssen ist ein recht gewöhnliches Küssen, aber in diesem Moment macht das nichts. In diesem Moment hat er begriffen, wie er sie nehmen muss und vor Glück wird ihr ganz schwindlig. Wenn es Momente, wie diese geben kann, was soll dann falsch sein, an ihrer Beziehung? Hier ist der Mann, in den sie verliebt ist und er küsst sie im Torbogen des Stalls und jeder, der auf der Straße vorbeifährt kann sie wahrscheinlich sehen und sehen, wie sie sich an ihn klammert, als würde sie sonst ertrinken, sehen, wie er sie hochhebt, an die raue Stallwand lehnt, ihr das T-Shirt hochschiebt.

„Moment Jakob!“

„Was?“ sein Atem geht schnell, er sieht sie an.

„Das geht nicht!“

„Was geht nicht?“

Ihr T-Shirt ist so weit hochgeschoben, dass sie am Bauch zu frieren beginnt.

„Das kann doch jeder sehen!“

„Scheißegal!“

„Nein, irgendwie…..Sorry.“

Jakob weicht stöhnend zurück.

„Ok, lass uns reingehen,“ er deutet auf den Stall. Er greift nach ihrer Hand, schnell und zieht sie mit sich. Sie eilen die Stallgasse hinunter, hastig, in die letzte Box. Die Pferde sind auf der Koppel, die Box ist leer. Eingestreut mit sauberem Stroh und leer.

„Besser?“ fragt Jakob, als er wieder vor ihr steht. Sie kann die Ungeduld in seinen Augen sehen.

„Besser,“ sagt sie und schlingt die Arme um seinen Hals. „Viel besser!“

Ehrlichstett, September 2016

 

Gibt es einen passenderen Ort für einen Sündenfall, als ausgerechnet ein Traumschloss, in dem Ehegelübde gesprochen werden, rosa Wolken in traumhafte Zweisamkeit hinübergleiten und im wonnigen Mai jedes Wochenende geheiratet wird? Rabena wird sich der Ironie erst bewusst, als sie Abel die steinernen Stufen hinaufführt, die Treppenwindung entlang, zur Hochzeitssuite.

Hugo war für über Nacht nach Berlin gefahren, plötzlich, ein wichtiges Gespräch, so kurz vor dem Prozess, das noch mal alles ändern kann, sagt er euphorisch.

Sie hatte sich entscheiden in Ehrlichstett zu bleiben. War ihm recht, er braucht sie dort nicht und je weniger sie weiß, desto besser, sagt er und grinst, für ihre Aussage, ihre Zeugenaussage. Er tätschelt ihre Wange, steigt ins ein Auto und braust vom Hof. Rumpelt mal wieder über die Gehwegkante, dass es kracht. Hugo ist enthusiastisch, begeistert, aufgeregt.

Abel war pünktlich.

Sie empfing ihn am unteren Tor.

Noch im Torbogen war er bei ihr. Und zog sie in seine Arme. Sie lehnte sich an ihn und schmiegte ihre Wange an seine Brust und ihr Herz schlug so schnell, wie seines. Er liebkoste ihr Gesicht mit seinen Händen, küsste ihren Mund, ihren Hals.

Schließlich ergreift sie seine Hand, schließt das Tor und führte ihn mit zitternden Knien zum Treppenaufgang. Sie gehen langsam die Stiegen hinauf, ihre Hände verschränkt. Sie betreten den Raum, die Luft riecht muffig und staubig aber das ist egal. Stumm entledigen sie sich ihrer Kleider, sie schlingt ihre Arme um seinen Hals und küsst ihn. Er erwidert ihren schüchternen Kuss voller Leidenschaft.

Auf das was dann geschieht ist sie nicht vorbereitet. Es gibt keine Verstellung. Er ist so aufgeregt wie sie. Sie lieben sich, ohne den Blick von den Augen des anderen abzuwenden, auf einmal ganz eins, ein einziger Körper, ein einziges Gefühl. Tränen strömen ihr über das Gesicht, als der Boden zu wanken scheint, als eine Welle des Glücks über ihnen zusammenbricht. Sie streichelt sein Gesicht, sein feuchtes Haar, stammelt immer wieder seinen Namen, er küsst sie, wie ein Ertrinkender. Seine Küsse schmecken salzig und im schwachen Licht der untergehenden Sonne erkennt sie, dass er ebenfalls weint.

Später liegen sie dicht aneinandergeschmiegt und sehen sich an, atemlos, unfähig zu sprechen.

Ihr Glück wird nur von dem Gedanken getrübt, dass sie für den Rest ihres Lebens nach diesem Gefühl hungern wird.

Sie kann in diesem Augenblick tief in sein Inneres sehen und was sie sieht sind ihre eigenen Empfindungen: Sehnsucht und Verwirrung aber auch Verzweiflung und schlechtes Gewissen. Sie haben ein Spiel mit dem Feuer begonnen, das verheerende Folgen haben konnte.

“Ich habe noch nie…“ seine Stimme ist rau,“…noch nie so etwas wundervolles getan.“

„…und so etwas Verbotenes,“ ergänzt sie.

„Ja,“ er stößt einen Seufzer aus, „auch das nicht!“

Sie dreht sich auf die Seite und sieht ihn an. Betrachtet ohne Scheu seinen nackten Körper. Er ist ein wirklich schöner Mann mit langen schlanken Gliedern und festen Muskeln. Unwillkürlich zieht sie Vergleiche zu Hugo und in der selben Sekunde wird ihr bewusst, wie schlecht sie ist. Sie hat den Mann aus bloßer Sehnsucht nach dem Gefühl geliebt und begehrt zu werden, zum Ehebruch verführt. In ihrem eigenen Haus. Im Haus ihre Mannes! Dieser Gedanke erschüttert sie schlagartig.

„Du musst gehen!“ Sie befreit sich abrupt aus seiner Umarmung.

„Rabena!“ Seine Stimme ist traurig und zärtlich.

„Bitte,“ unterbricht sie ihn schnell. „Sag nichts, bitte, wir hätten das nicht tun dürfen! Nicht hier“

Euphorie und Leidenschaft sind verflogen was übrig ist, ist das schlechte Gewissen.

Schweigend ziehen sie sich an.

Langsam geht er. Langsam verlässt er den Raum. In der Tür dreht er sich um und sieht sie an. Es ist traurig und schön. Es ist hoffnungslos. Schweigend geht er. Seine Schritte verhallen im Treppenhaus. Sie streicht das Bettlaken glatt, die Decken, schüttelt die Kissen auf. Das letzte Licht des Tages erstirbt in dem dunklen Raum.

Noch nie hat sie sich so einsam, so elend und schuldig gefühlt.

Ehrlichstett, September 2016

 

Jakob war gekommen. Henry im Schlepptau . Henry war schon zuvor ein hinreißendes Baby gewesen, aber nun hatte er sich in ein niedliches Kleinkind verwandelt, das mit strammen krummen Beinchen entschieden die Welt eroberte. Und Hund und er waren sofort Freunde geworden. Er zupft und zottelt den kleinen Schwarzen am Fell, der sich dies gutmütig und wie den Anschein hatte mit einem Lächeln gefallen lässt, Henry lacht dabei ein tonloses Lachen, das das runde Kindergesichtchen erstrahlen lässt.

 

Jakob hingegen will es nicht glauben:
„Was Tammi,“ er schlägt sich vor Lachen auf die die Schenkel und kann sich gar nicht mehr beruhigen: „Ein Hund? Du und ein Hund! Ich fasse es nicht. Tammi-Hundehasserin hat einen Hund!“

 

„Na so schlimm ist es nun auch wieder nicht, mit der Hundehasserei!“

 

„Doch, „Jakob lacht, „doch und noch viel schlimmer. Du hasst Hunde, Tammi und nun hast du einen. Wenn das geht, dann geht alles, dann sind alle Wunder möglich!“ Spielerisch nimmt er sie in den Arm und schubst sie.

 

„Lass das,“ sie schlägt ihm mit der flachen Hand auf den Oberarm lacht aber ebenfalls: „Vielleicht hast du Recht. Aber es ist nicht so, dass ich Hund haben wollte. Er wollte zu mir. Und wenn man Greta glauben darf, dann ist das auch kein Hund sondern ein Schutzgeist.“
„Ach Greta, gibt es die auch noch,“ Jakob lächelt gutmütig.

Sie gehen langsam am Schloss entlang, den kurzen Schritten Henrys angepasst, der jeden Stein und jeden Grashalm untersuchen muss, dabei begeistert von Hund beobachtet.

 

„Ja,,“sagt Tammi, mit nachdenklichem Ton, „Und bei all ihrer Spinnerei glaube ich manchmal, dass es sein kann, dass sie recht hat.“

Jakob sieht sie stirnrunzelnd an.

„Echt, Tammi? Ich muss mich wundern. Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Und solche Wandlungen, in so kurzer Zeit? Ein Hund? Und Glaube an Gretas Zauberkünste?“ Er schüttelt den Kopf.

Plötzlich entfährt ihm ein Aufschrei und er stürzt zu Henry und reisst den Jungen in die Arme. Hund bellt aufgeregt und hüpft in kleinen federnden Sprüngen an ihm hoch.

Henry erzeugt Geräusche, als er versucht, Worte auszustoßen und mit fuchtelnden, ausholenden Bewegungen seiner kurzen Arme befreit und wieder auf den Boden gestellt werden möchte, um auf das kleine Flämmchen zuzulaufen, das plötzlich vor ihnen aus den Steinen des Weges aufflackert.

Langsam geht Tammi darauf zu und tritt es mit der Sohle ihres Schuhs aus.

„Siehst du?“ Fragend sieht sie Jakob an.

 

„Tammi!“ Er holt tief Luft und setzt den strampelnden Kleinen wieder ab, der nun suchend umherblickt und nach dem neuen Spielzeug Ausschau hält.

Jakob ringt um Fassung, man sieht ihm an, dass er sich Mühe gibt. Mühe, Tammi Verständnis entgegenzubringen, nicht sofort alles abzutun, ihr Glauben zu schenken, auch wenn es keinen Sinn macht. Gar keinen.

„Mach es noch mal!“ sagt er schließlich.

Sofort lodert zwischen seinen Füßen ein kleines Flämmchen auf, das ihn erschrocken zurückspringen lässt.

„Scheiße, Tammi, verdammt. Bist das wirklich du?“

Henry stößt wieder diese gurgelnden Laute aus und eilt auf wackeligen Beinchen auf das Flämmchen zu, dass Tammi wieder schnell austritt. Sie nimmt den Kleinen hoch, schwingt ihn in einem weiten Bogen um sich und sagt in singendem Tonfall: „Nein mein kleiner Henry, nein, nein, nein. Mit Feuer spielen machen wir nicht. Das geht doch nicht und nein, nein, nein, das dürfen nur die Großen.“ Sie lächelt Jakob an.

„Siehst du, Henry hat es begriffen. Er ist schlauer als du. Und ja, das bin ich. Soll ich es nochmal machen?“
Jakob schüttelt heftig denKopf.

„Mann, Tammi, irgendwie habe ich das vermisst die ganze Spinnerei, das ist schon echt nicht ganz wahr, oder?“

 

Tammi setzt Henry wieder ab und lächelt. „Doch Jakob das ist ganz wahr und es ist etwas, das offenkundig zu mir gehört. Und das man einfach akzeptieren muss, wie blaue Augen oder blonde Haare oder eine Begabung für Mathematik. Das bin eben ich. Bisschen irre und magisch begabt.“

 

Jakob schweigt, als sie weitergehen.

Sie biegen um die Ecke des Schlosses und verlassen die schattige Nordseite. Das plötzlich helle Sonnenlicht blendet sie.

Rabena von Hülstorff steht an der Fassadenseite mit einer Gartenschere in der Hand und scheidet die Rosen.
„Hast du das auch gesehen?“ Jakobs Kopf fährt herum.

 

„Was?“
„Da war einer. Bei der Gräfin. Aber jetzt ist er weggehuscht!“

 

Tamara sieht Jakob mit hochgezogenen Augenbrauen an. Zweifelnd.

„Da is keiner!“

 

„Doch, da war eben noch einer. Jetzt ist er nicht mehr zu sehen. Ein Mann. Ziemlich dunkler Typ!“
„Also, wer spinnt denn mehr jetzt von uns beiden,“ Tamara sieht Jakob noch immer fragend an. „Da is niemand. Und wenn, dann war es wahrscheinlich dieser Renfeld, der schleicht hier immer rum, wie ein Schatten.“

 

„Nö, der Renfeld ist viel größer und dicker.“
„Ne, ist der nicht mehr. Wenn du wüsstest, der war schwer krank und ist jetzt mager, wie der Tod.“

 

Ein Schauder überfährt beide und sie sehen sich an. Ihre Blicke verschränken sich plötzlich.Ein Knistern, wie ein Flattern in Tammis Herz. Sie hält den Atem an.

 

„Henry“ entfährt es ihr und sie löst ihren Blick von Jakobs grauen Augen.

Henry und Hund sind weiter gerade aus gelaufen und nun auf dem Weg zu den Ausläufen der Pferde.

Tamara und Jakob laufen schnell hinterher.

Und der magische Moment ist vorbei.

 

 

 

Ehrlichstett, September 2016

Sie sind noch immer in Ehrlichstett. In ein paar Tagen ist der Prozess. Die Luft knistert vor Spannung. Hugo ist geladen, wie eine Waffe, ein Funke reicht, ihn zum explodieren zu bringen. Rabena geht ihm aus dem Weg, wo es möglich ist. Schweigsam geht sie ihren Aufgaben nach und geht ihm aus dem Weg.

Sie steht im Torbogen und schneidet die Rosen, die abgeschnittenen Triebe sammelt sie in einem Korb der ihr zu Füßen steht, als eine Bewegung hinter ihr, sie herumfahren lässt.

„Abel!“ Der Schock ihn zu sehen und gleichzeitig die Angst von Hugo beobachtet zu werden, lassen ihren Atem stocken.

„Abel! Um Gottes Willen! Was machst du hier! Bitte geh!“

Ihre Stimme ist atemlos, wispernd. Es ist heller Tag, Hugo könnte jederzeit die Treppe hinunterkommen. Ja aus dem Fenster sehen und sie und Abel entdecken und dann…

Ängstlich sieht sie die Fassade hinauf.

„Hugo ist nicht gut genug für dich!“ Abels Stimme ist weich, seltsam schleppend, aber wie eine Melodie. „Er ist nicht imstande zu geben, er kann nur nehmen“
„Abel, bitte“ Sie bekommt kaum Luft: “Bitte geh jetzt.“ Sie greift nach seiner Schulter und will ihn den Weg zurück schieben: “Ich will nicht über Hugo reden.“

„Ich schon, denn ich möchte verstehen.“ Seine ruhiger Ton hüllt sie ein, legt sich, wie ein Schleier um sie. Sie will sich fallen lassen, die Augen schließen und fallen lassen, trotz ihrer Angst.

“Du warst zu verliebt um ihn zu sehen wie er wirklich ist. Ich dachte immer, wie es wohl wäre, wenn eine Frau mich so lieben würde. Ich frage mich, wie diese Frau sein würde.“ Und er beugt sich vor und küsst sie sanft.

Vor Angst bleibt ihr fast das Herz stehen. Sie holt stoßweise Luft und schiebt ihn weg:“ Abel!“ aber er rührt sich nicht.

„Abel, was? Warum geht es nicht? Frage dich ob er zu dir halten würde, dir helfen würde? Frage dich ob er dich unterstützt? Ob er für dich da ist?“

„Lass das!“

„Nein, frage dich das,“ wiederholt er eindringlich mit dieser samtigen Stimme, “hat er je etwas für dich getan. Hat er je etwas getan das deiner Liebe würdig ist?“

„Wir haben alles zusammen gemacht.“ Sagt sie leise,“ alles zusammen aufgebaut.“

„Das hat ihm geholfen, Rabena. Das waren seine Pläne. Er war dein Geliebter, dein Herr, dein Mann, aber war er auch dein Freund?“

Sie spürt, wie ihr wieder aller Vernunft die Schamröte ins Gesicht steigt.

„Woher willst du das alles wissen?“

„Weil ich es weiß. Ich sehe dich, ich sehe deine Angst. Ich sehe dich welken und kleiner werden. Ich sehe, wie du dich versteckst. Ich spüre deine Angst. Ich wäre für dich da gewesen. Warum Hugo nicht? Warum hilft er dir nicht sondern setzt dich ein, für seine Pläne. Setzt dich unter Druck, macht dir Angst?“

„Das macht er nicht.“ Leise. Und, „er muss mir nicht helfen. Wobei? Ich komme klar! Es ist nicht nötig!“

„Natürlich ist es nötig! Ich sehe, wie erschöpft du bist.“
„Ich habe ihn nie gebeten, mir zu helfen!“

„Warum muss er darum gebeten werden? Dass er gebraucht wird, ist offensichtlich. Er hätte es einfach tun können. Dich unterstützen. Nach deinen Ideen fragen, deinen Plänen. Dasein. Für dich!“

„So einfach ist das nicht,“ fängt sie an aber er unterbricht sie und berührt ihre Schulter.

„Weißt du, was Liebe für mich ist, Rabena? Weißt du, was ich gelernt habe, die vergangenen Wochen, Monate?

Ich glaube, Liebe ist mehr als nur ein Zustand. Nicht nur ein Gefühl oder Worte die man sagt. Es ist da, was man tut. Wenn man eine Frau liebt, liebt man sie jeden Tag und man tut etwas. Man tut etwas für sie. Ich liebe dich, Rabena. Ich tue etwas. Für dich. Ich schwöre es.“

Sie setzt zu einer Erwiderung an, aber er nimmt sie in die Arme und küsst sie wieder, länger dieses Mal. Der Stoff seines Hemdes fühlt sich weich an, seine Arme unter den leichten Ärmeln muskulös. Sein Kuss ist warm und freigiebig und sie lässt sich forttragen. Sie kann sich nicht erinnern, je so geküsst worden zu sein. Es ist ein Angebot, keine Forderung, und das macht es plötzlich unwiderstehlich.

„Komm mit mir,“ sagt er rau in ihre Halsbeuge.

Sie schiebt ihn zurück.

„Nein, Abel. Nein, ich kann nicht. Ich muss bei Hugo bleiben.“

Nun, endlich tritt er einen Schritt zurück. Er sieht sie an. Seine Augen sind hell und dunkel zugleich.

„Ich bin bei dir.“ sagt er „und ich bin für dich da.“ Und er wendet sich ab, wie ein Schatten, der er ist und verschwindet. Wie Luft, wie ein Hauch.

Sie fährt sich mit den Kuppen der Finger über die Lippen und erlaubt sich einen Moment zu überlegen. Wie es wäre, wenn sie mitginge, mit ihm. Um die Hausecke, fort, vom Schloss, in ein neues Leben, in sein Leben.

Aber es geht nicht.

Sie strafft die Schultern.

Es geht nicht.

Sie hat eine Verpflichtung.

Ehrlichstett, September 2016

 

Rechtsanwalt Blatter hat Kopfschmerzen. Seine Stirn pocht, eine überirdische Kraft drückt seine Schläfen zusammen, vernünftige Gedanken sind nicht mehr möglich Alles dreht sich.

Gleich kommt dieser Graf, diese unsägliche Geschichte. Er hat kein gutes Gefühl mehr dabei. Sie haben verloren, mehrere Scharmützel, aber verloren. Die Presse dreht sich. Am Anfang waren alle für ihre Sache, aber nun fängt man an, den Verein wahrzunehmen und anzuhören. Das dauert zu lange. Was ein Blitzkrieg sein sollte, ist zum Stellungskrieg ausgewachsen.

Am Liebsten würde er sich da hinausschleichen, wenn es denn ginge, aus dieser Geschichte.

Er hat so eine Vorahnung.

Dass sie verlieren werden.

Das Ganze.

Dieser Graf, der macht ihn wahnsinnig. Tägliche Mails. Je mehr sich alles gegen sie dreht, desto mehr schreibt dieser Mensch. Und in der einen Mail widerruft er die Inhalte der vorigen und inzwischen weiß niemand mehr, wer eigentlich was, wann getan oder unterlassen hat.

Das ist ihre einzige Chance, denkt er. Ihre einzige Chance vor Gericht. Diese Verwirrung. Wer hat eigentlich was wann gemacht? Und mit ein bisschen Glück verliert der Richter ebenso den Überblick und mogelt sich mit einem netten Vergleich aus der Sache.

Blatter stützt die Stirn in die Hände. Er spürt den kleinen Blutfaden aus der Nase rinnen und wischt ihn mit einer unwilligen Handbewegung fort. Sein Stumpf schmerzt wie verrückt. Ein schlechtes Zeichen, denkt er, ein wirklich schlechtes Zeichen.

Wer hätte das gedacht, dass dieser verdammte kleine Gutmenschenverein sich so lange hält? Das ist wie Hexerei, fast ist er geneigt, dem Grafen zu glauben. Das geht nicht mit rechten Dingen zu. So ein kleiner Haufen, der müsste längst weggefegt sein unter dem Druck all dieser Anzeigen und Verleumdungen, Verfügungen und Prozesse. Aber irgendwie rappeln die sich immer wieder hoch und gewinnen. Sie haben einen verdammt guten Anwalt, dieser Zimmermann, ein richtiger Anwalt, denkt Blatter missvergnügt. Sachlich, überlegt, dem gelingt es das ganze Chaos zu entwirren und dabei einen kühlen Kopf zu bewahren. Und der Schneider, dieser verflixte Vereinsvorsitzende. Hat seine Leute im Griff. Die gehen auf nichts ein. Lassen sich nicht provozieren, stehen immer da mit ihrem Unschuldslächeln und ihren Ponys und lassen sich alles gefallen.

Nein, denkt er die Bilanz sieht nicht gut aus, vor Gericht, gar nicht gut.

Das hat zu lange gedauert, das ist das Problem. Wenn sie das gewusst hätten, dass die so lange durchhalten. Dann hätten sie eine andere Strategie gefahren. Weg damit und gleich weg, da hätte es Methoden gegeben.

Von Hülstorff unterbricht seine trüben Gedanken, als er mit hektischem Schritt, ohne zuvor anzuklopfen, das Büro betritt. In einer einzige Bewegung zieht er sich einen Stuhl vor den Schreibtisch und lässt ein riesiges Bündel ungeordneter Zettel auf denselben flattern.

„Wir haben sie,“ sagt er und seine hellen Augen strahlen Blatter an. Auf seiner Oberlippe steht ein glänzender Schweißfilm, sein Pullover ist alt und fleckig, er ist schlecht rasiert, graue Altmännerstoppeln zieren in unregelmäßigen Mustern seine hageren Wangen. Auch ein Friseurbesuch vor dem Gerichtstermin, ist Blatter versucht anzumerken, auch ein Friseurbesuch wäre angeraten, um seinen Mandanten nicht wie einen völlig aufgelösten Wahnsinnigen erscheinen zu lassen.

Aber er spart sich die Worte. Er hört zu und versucht das Beste draus zu machen. So viel hat er gelernt. Dagegen reden bringt nichts, eigene Ideen bringen nichts, Erklärungsnotstand bringt nichts. Schadensbegrenzung….bringt nichts. Augen zu und durch.

Er wischt sich erneut die Nase und greift nach dem Zettelhaufen.

„Was haben wir denn?“ Fragt er, „Neuigkeiten?“

„Ja,“ Hülstorffs Augen blitzen und leuchten. Er springt auf und durchmisst mit großen Schritten das kleine Zimmer, als wüsste er nicht wohin, mit seiner Energie.

„Hier ist die schriftliche Aussage meiner Frau: Sie war bei allen Vorgesprächen dabei und kann bestätigen, dass es keinen Pachtvertrag mit dem Verein gibt und nur Absprachen mit Frau Haalswor, die diese gebrochen hat. Vorsätzlich, betrügerisch! Da lesen Sie!“

Er deutet auf die Zettel „Von einem Verein und von so vielen Pferden war nie die Rede. Der ganze Pachtvertrag eine Fälschung von diesem Verein. Die Haalswor sollte nur fünf Pferde einstellen und dabei auch noch für das Schloss sorgen, dort putzen und so. So war das abgesprochen. Meine Frau kann es bestätigen. Und von einem Verein war nie die Rede. Betrug ist das. Damit bringen wir sie in den Knast, Betrug und nichts als Betrug. Betrug am Retter des Schlosses. Betrug an der ehrwürdigen Eignerfamilie, die seit Jahren versucht, das Schloss zurückzuerhalten, Betrug an der guten und rechtmäßigen Sache, dieses miese Rattenpack, Betrügerpack! Weiß nicht mal, ob es diesen Verein überhaupt gibt oder ob das nicht auch so ein Hirngespinst ist. Betrügerisches.“

Er jubelt das letzte Wort fast und lässt sich auf den bereitgestellten Stuhl fallen.

„Lesen Sie!“ Er schiebt weitere der zerknüllten Zettel rüber. „Lesen Sie, da steht es schwarz auf weiß. Und damit haben wir sie. Dieses Rattenpack!“

Blatter schwiegt.

Mit der verbleibenden Hand reibt er sich über den Stumpf. Dann nimmt er einige aus dem Zettelhaufen und glättet sie.

„Mal sehen,“ sagt langsam.

„Schreiben Sie, schrieben Sie noch etwas ans Gericht!“ Mahnt Hülstorff. „Das muss eine ganz neue Wendung nehmen. Schreiben Sie noch an das Gericht! Und am besten gleich an die Presse! Verbrecher, Betrüger schrieben Sie!“

„Herr von Hülstorff, der Prozess ist in zehn Tagen, da kann ich jetzt keinen Schriftsatz mehr einreichen. Das ist zu spät. Das wird nicht mehr berücksichtigt!“

„Papperlapapp! Das ist ein Notfall, das müssen die berücksichtigen. Also schreiben Sie gefälligst. Und schicken Sie das noch heute los!“

„Natürlich!“ Blatter seufzt resigniert. „Darf ich in dem Zusammenhang daran erinnern, dass meine letzte Rechnung noch nicht bezahlt ist?“
„ Papperlapapp. Machen Sie sich da mal nicht das Köpfchen heiß! Die zahlt der Verein, wenn wir den Prozess gewinnen, dann zahlt das der Verein. Sie werden schon sehen. Und eine Prämie gibts auch noch dazu, so wahr ich hier stehe. Kriegen Sie die vor Ende des Jahres raus, dann zahle ich Ihnen noch eine Prämie. Mein Ehrenwort, Blatter, mein Ehrenwort.“

Seufzend zieht Blatter auch die restlichen Papiere vor sich. Langsam fängt er an die Notizen zu ordnen. Was soll es schon, denkt er, dann schreibt er eben. Er wird schreiben. Und er wird gewinnen, natürlich, Wie soll es auch sonst gehen? Wie sonst?

Ehrlichstett, September 2016

 

Tamara sitzt unter den Kiefern, den Laptop auf dem Schoß, der kleine Hund schnarcht leise neben ihr in einem warme Bett aus Kiefernnadeln. Eigentlich wollte sie einen Beitrag für den Blog lesen, hier an ihrer Lieblingsstelle im Wäldchen, wo man einen perfekten Überblick über das Gelände hat, aber irgendwie ist ihr die Lust vergangen. Dieser Bonsayh hat sich aufgeregt im Netz, über die Zeitung mal wieder. Über Corinne traut er sich nicht mehr und über den Verein auch nicht. Aber der letzte Presseartikel über seine grandiose Menschenkettenaktion aus sage und schreibe 10 mutigen Hanseln, der hat ihm auch nicht geschmeckt. Da hatte er sich wohl mehr erhofft.

Tammi grinst bei der Erinnerung daran, wie der kleine dicke Mann schwitzend eine große Verstärkeranlage aufgebaut hatte um eine Rede an das staunende Volk zu halten, das wohl, wie er erwartet hatte, samt Pressvertretern zahlreich zu seiner Menschenkettenaktion erscheinen würde. Die 10 Getreuen, die erschienen waren, denen hätte er es auch bei einem Bier persönlich sagen können und auf das übersteuerte quietschende Mikro, dessen Technik er nicht so richtig in den Griff bekam, verzichten können. Und die Presse, selbst Herr Drobbel von der NOZ, hatte wohl auch angefangen, das Vertrauen an die Glaubwürdigkeit der Klapsmannkämpfer zu verlieren und nicht mehr nur kritiklos die Diktion von Klapsmann und Getreuen wiederzugeben. Zumal der Klapsmann zu der Aktion gar nicht in Erscheinung getreten war. Ob es da Differenzen gab, zwischen ihm und seinem selbsternannten „Landsknecht“, wie der kleine dicke Bonsayh sich im Netz gerne nannte?

Allerdings war aber leider auch dieser Renfeld wieder da, denkt sie stirnrunzelnd, als sie die magere Gestalt im unvermeidlichen Parka unten über die Wiese schleichen sieht. Der ist einfach gruselig und seit er aus dem Krankenhaus zurück ist, noch mehr. Er sprich nun gar nicht mehr, gibt nur noch sonderbare Laute von sich, mal ein Pfeiffen, mal ein Jaulen. Und dürr ist er geworden. Noch dürrer als vorher, seine Bewegungen sind fast die eines Zombies aus dem Gruselkino, schleppend und unsicher und seine Haut bleich, wie bei einer Leiche.

Und er sucht Tammis Nähe. Zumindest kommt es ihr so vor. Sie kann keinen Schritt auf dem Gelände tun, ohne dass er sich irgendwo in ihrer Nähe materialisiert, so wie eben jetzt. Schlurfend und grummelnd, hier, am Fuße des Hügels, auf dem sie sitzt. Sie schaudert, gruselig, der Typ, aber wahrscheinlich harmlos.

Tammi nimmt ein kleines Ästchen auf und wirft es den Hügel hinunter.

„Hey, Hund, aufwachen, Stöckchen holen!“
Hund öffnet nur ein Auge und seht sie schläfrig an.

„Dummer Hund,“ murmelt sie.

„Er ist kein Hund“
Die leise Stimme zwischen den Bäumen von oben. Erschrocken fährt Tammi zusammen.

„Mann Greta, du hast mich zu Tode erschreckt. Wo kommst du denn her?“

Langsam lässt Greta sich neben sie auf die warmen Nadeln sinken.

„Er ist kein Hund,“ wiederholt sie , ohne auf Tammis Frage einzugehen. Hund öffnet nun beide Augen und sieht Greta an. Er wedelt mit dem kurzen Schwänzchen, um dann aber sofort die Augen wieder zu schließen und weiter zu schlafen.

„Er ist ein Schutzgeist, er zeigt dir, wo deine Gaben sind. Und seine Begleitung macht dich stärker.“

„Ja, Greta, klar. Er ist ein Schutzgeist und Renfeld…,“ Tammi deutet mit dem Kinn auf den Alten, der sich an einem Holzhaufen unten am Hügel zu schaffen macht „..und Renfeld ist der Erzegel Michael und mein Pferd ist ein Einhorn, genau!“

Greta lächelt. „Richtig. Dein Pferd ist ein Einhorn, aber nicht in dieser Dimension und Renfeld ist nicht der Erzengel.“ Ihre Stimme wird wieder ernst:

„Seit Urzeiten lieben und hassen die Menschen das Feuer. Die Herrscher über das Feuer waren die Mächtigsten und die Stärksten, in Urzeiten die Priester und die Verkünder der Götter. Menschen mit speziellen Gabe.“
Sie macht ein Pause.

Tammi schließt genervt die Augen und lehnt sich an den Stamm in ihrem Rücken.

„In heutigen Zeiten scheint dies nicht mehr wichtig zu sein, denn Feuer ist allgegenwärtig, meistens gezähmt und durch jedermann völlig unter Kontrolle gebracht.“
„Aber es gibt sie noch, die Besonderen. Die Herrscher des Feuers, die das Erbe in sich tragen“

„Und der Kleine hier, der ist ein Wegweiser, damit du den Weg findest, deine Gabe zu nutzen“
„Ja, ja, Greta, alles klar.“ Tamara legt den Laptop neben sich, steht auf und klopft sich die Nadeln von der Hose.

„Komm Hund, wir müssen!“

„Sorry Greta, ich muss los!“

Tamara bückt sich und hebt den Laptop auf, wendet sich zum Gehen. Hund rührt sich nicht, öffnet noch nicht einmal die Augen.

„HUND!“

Tammi lauter.

Hund sieht sie nun an steht aber nicht auf. Auch Greta ist sitzen geblieben und sieht sie unverwandt an. Tammi kommt sich blöd vor, weiß nun nicht ob gehen oder bleiben.

Dieser dämliche Hund!

Na dann soll er eben bei Greta bleiben, ihr doch egal. Sie wollte den sowieso nicht, das treulose Biest.

Wütend dreht sie sich um und wendet sich zum Weg den Hügel hinab.

Als Hund plötzlich aufgeregt bellt, dreht sie sich noch einmal um.

Ein kleines Flämmchen ist unter den Kiefern aufgeflammt, das Hund aufgeregt bellend umspringt. Greta sitzt daneben, lächelt und sieht sie mit so einem Blick an.

„Er ist dein Schutzgeist,“ sagt sie, „nimm ihn mit!“
Und damit steht sie auf, tritt mit der Schuhsohle die Flamme aus und wendet sich durch die Bäume davon.

Menschenkette als Zeichen

Neue Ostdeutsche Zeitung vom 05.09.2016

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Ehrlichstett Streit zwischen Schlossherrn von Hülstorff und Verein HEILE WELT geht weiter. Schlossherr soll 250.000 Euro Strafe zahlen. Bürgerinitiative zeigt Flagge

VON DETLEF DROBBEL

Ehrlichstett / NOZ – Es scheint eine unendliche Geschichte zu blieben – die jetzt allerdings wieder eine neue Qualität erreicht hat. Der Besitzer des Ehrlichstetter Schlosses hat sich entschieden, seinen Besitz mit einem Drahtzaun abzutrennen, um ihn zu schützen. Der Verein HEILE WELT erwirkte daraufhin mit Unterstützung seines Anwalts eine Eilverfügung die den Schlossbesitzer mit einer Strafe von 250.000 Euro oder sechs Monaten Haft bedroht, dem Verein Wegerecht einzuräumen um von den gepachteten Stallungen zum nur wenige hundert Meter entfernten Pachtgelände zu gelangen. „Der Verpächter muss es dulden, dass der Pächter über sein Grundstück geht, denn aus unserer Sicht kann man nicht etwas verpachten, was dann nicht erreichbar ist,“ so Jörg Zimmermann, der Anwalt des Vereins.

Um ihre Unterstützung für von Hülstorff auszudrücken haben sich knapp 10 Mitglieder der Bürgerinitiative „Schutz und Schild für Ehrlichstett“ am Schloss zu einer Menschenkette aufgereiht.

„Wir möchten Herrn von Hülstorff zeigen, dass er nicht alleine ist und viele Ehrlichstetter ihn unterstützen,“ so Harald Bonsayh von der Bürgerinitiative. „Außerdem soll das Schloss erhalten bleiben.“

Das Verhältnis zwischen dem Schlossbesitzer und dem Verein ist seit Monaten getrübt.

Auf Anzeigen gegen den Verein wegen Meineides, illegaler Bautätigkeit, illegalen Zeltlagern, Strom- und Wasserdiebstahl (Verfahren eingestellt), sei kaum oder nicht reagiert worden, so Bonsayh.

Der nun angedrohte Strafbefehl sei allerdings der Gipfel.

Der Schlossbesitzer hat den Vertrag mit dem Verein gekündigt. Der Verein weigert sich jedoch, sein Domizil zu räumen.

„Ob die Kündigung rechtswirksam ist, muss nun ein Gericht klären,“ so Zimmermann.

„Der Verein weigert sich sogar, seine Nebenkosten zu zahlen, so dass Herr von Hülstorff derzeit alle Nebenkosten übernehmen muss. Auch seiner Investitionsverpflichtung ist der Verein nicht nachgekommen,“ sagt Bonsayh von der Bürgerinitiative der NOZ.

Diese Vorwürfe bestreitet der Verein. In knapp zwei Jahren habe man bereits nachweislich 25.000 Euro investiert.