Nachtrag 2

 

 

Ein Zug, irgendwo in Mitteldeutschland

Die junge Frau mit den auffallend üppigen Locken sitzt mit einem Buch auf einem Fensterplatz, als sich ein hagerer, hochgewachsener Mann mit mehreren Taschen und einem gestressten Schnaufen auf den Platz ihr gegenüber fallen lässt. Der Zug fährt mit einem Rucken an und der Hagere sucht sein Gleichgewicht an der Kante des kleinen Tisches, wobei ihm eine der Taschen, eine abgeschabte Aktentasche entgleitet und der Frau auf den Schoß rutscht.

Überrascht blickt sie auf und der Neuankömmling entschuldigt sich mit einem verlegenen Lächeln. Sie lächelt zurück, schiebt die Tasche wieder auf den kleinen Tisch des Zugabteils und vertieft sich, nach einem prüfenden, aber freundlichen Blick wieder in ihr Buch.

Der großgewachsene Mann sortiert sich nun auf den engen Zugsitzen und fängt an, die Taschen um sich zu arrangieren. Aus der Aktentasche entnimmt er mehrere Papiere, die er auf dem Tisch verteilt, wobei immer wieder Papiere, Stifte, die aus einem Mäppchen kullern und sogar seine Brille zu der Frau hinüber rutschen. Ihr amüsiertes Lächeln entgeht dem Hageren nicht und es entsteht der Eindruck, dass er seine offensichtliche Ungeschicklichkeit noch verstärkt um mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Seufzend lässt sie schließlich ihr Buch sinken und beobachtet den Mann nun unverhohlen, der die Geste begreift und ein Gespräch beginnt.

Während die sommerliche Landschaft vorbeifliegt und der Zug mit schnellem Tempo nach Süden fährt, erzählt er. Und erzählen, das kann er. Von seinem Leben, dem bewegten, zwischen Ost und Süd, ein wichtiger Investor sei er, erzählt er, sein ganzes Vermögen habe er investiert in die Rettung eines Schlosses, eines zwar historisch unbedeutenden, aber dennoch unvergleichlichen Kulturschatzes, in einem verschlafenen kleinen Ort mit großer Zukunft. Ja und nun sei das Werk vollbracht, aber eine Nutzung brächte er, eine Nutzung für dieses sein Schloss, das nun leer stünde, ein Kleinod, ein Traumschatz der nur wartete auf eine wirkliche Prinzessin, die sich seiner annimmt.

Was sie denn mit ihrem Leben mache? Fragt er.

Die Lockige lächelt zurückhaltend und erzählt wenig aber Interesse ist ihr anzumerken. Ein Schloss, das klingt interessant, ob er schon mal an eine kulturelle Nutzung gedacht hätte, Ateliers, Ausstellungen, Konzerte?
Ein Strahlen erleuchtet sein scharfkantiges Gesicht und seine Augen blitzen, ja, natürlich, das wäre es. Eine kulturelle Nutzung, dem verwahrlosten Osten nun endlich Kultur zeigen, ein missionarisches Werk nahezu, das wäre seine Rettung und die Lösung und sie, ob sie nicht… und ob sie vielleicht interessiert wäre.. und ob man….?
Viellicht könne sie sich vorstelle, sich an einem solchen Projekt zu beteiligen. Geld, nein. Geld bräuchte sie nicht, nur ihr Kow How, vielleicht ihre Arbeitskraft. Alle, alles, würde und könnte er dort ermöglichen. Wenn sie nur käme, wenn sie ihn nur unterstützte. Dort wohnen könne sie umsonst, ja Platz gäbe es genug, er könne dort etwas ausbauen nach ihrem Wünschen, natürlich, das würde sie keinen Cent kosten. Wenn sie nur, ja wenn sie nur sich durch den Kopf gehen ließe, vielleicht sich zu beteiligen an einer kulturellen Nutzung, vielleicht.

Zwischenzeitlich klingelt immer wieder sein Handy. Sie kann nicht anders, als die Gespräche zu überhören. Eine Insolvenz, eine wohl nicht ganz unstrittige Abwicklung irgendeines Geschäfts, der Gesprächspartner in der Leitung ist laut, aufgeregt, drohend, ihr Gegenüber zunehmend ungehalten, wirft ihr entschuldigende Blicke zu, schaltet das Handy schließlich aus, als die Anrufe nicht abreißen.

Seine Stimme wird leiser und schmeichelnd, er lobt ihre Ideen und ihre Erfahrung, er entwickelt einen Traum, den Traum der kulturellen Erweckung des Ostens, der Segnung einer neuen Welt, einfach und offen, wie Kinder, seien die Menschen dort, bereit für ein solches Projekt, für eine Prägung durch eine bedeutende Person des künstlerischen Lebens.

Er trägt ein bisschen dick auf, denkt sie, als sich ihr Zielbahnhof nähert und sie langsam ihr Buch in ihre Tasche packt, die Jacke vom Haken nimmt und sich zum Aufstehen bereitmacht.

Ob man denn noch Daten tauschen wolle, drängt er, man könne doch in Verbindung bleiben, unverbindlich, versteht sich und vielleicht einmal essen gehen, wenn sie wieder im Osten sei und er auch, und noch mal nachdenken, einfach mal rumspinnen an der Idee, das könnte doch….

Als der Zug in den Bahnhof einfährt steht er höflich auf um sie zu verabschieden.

„Von Rheinberg, meine Liebe, Ralph von Rheinberg, Bitte merken Sie sich meinen Namen, ich werde Sie anrufen, das ist sicher. Und bitte denken Sie über mein Schloss nach, ich bitte Sie, vergessen Sie mich nicht, erinnern Sie sich an mich, wenn ich Sie anrufen. Von Rheinberg, einmal Adel, immer Adel.“

Und mit einem galanten Beugen über ihre Hand verabschiedet er sich, während das pneumatische Zischen der Abteiltüren ihren Abschied untermalt.

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Ein Gedanke zu “Nachtrag 2

  1. Na was ist denn jetzt los – die Frau kann es nicht lassen weiter ihren Müll zu verbreiten. Liest sich ja ganz lustig und einiges scheint ja auch zu stimmen nach dem was ich bislang auf meiner Wolke so gehört habe nur eins stimmt definitiv nicht – dass die Menschen in Ehrlichstätt diese Art von Kunst und Kultur gebraucht haben, Bilder von nackten Kindern in erbärmlichen Posen und eine Künstlerin deren Hauptkunstform die Provokation ist und die ansonsten nix zur Naht bringt, nee, das konnte ruhig fern bleiben genau wie die ständige Belästigung durch irgendwelche Sekten, brauchten die Leute hier alles nicht Nun haste bloss Pech Frau Haalswor, mich haste auf die Wolke geschickt, ich bin nur noch ein Geist und auf mir rum hacken fällt nun flach. Um so mehr freue ich mich wenn der Verein Heile Welt jetzt abschwirren muss, kann ich mich endlich wieder meiner Lieblingsbeschäftigung – Harfe spielen- beschäftigen. Aber vorher putze ich noch mein Fernglas denn es wird ein Trauerzug werden so ganz ohne Hoffnung und Ziel – wir haben sogar den Fürsten der Finsternis hier nach oben eingeladen, der liebt nämlich solche Spektakel. Ach wird das schön. Seufz. Schade nur dass Tammi gerettet wurde, wir wären hier ein schönes Paar.

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