Die Drohne war nicht billig gewesen, aber sie war jeden Cent wert. Die Bilder waren gestochen scharf, obwohl das Licht nicht optimal war und sie war teuflisch leise. Teuflisch war das richtige Wort. Ein teuflisch exaktes Überwachungsinstrument. Ein lautloses Auge, das sich in die Lüfte erhebt und seinem Herrn und Gebieter Bilder übermittelt von wo auch immer er es hinlenkt. Perfekt!

Zuerst hatte er versucht, eine Drohne selbst zu bauen. Aber es war nicht gelungen. Das Montieren der Kamera hatte nicht so geklappt und es hatte sich auch nie richtig lenken lassen. Es war stets wenig exakt gewesen und hatte sein Perfektionsbedürfnis nicht befriedigt. Aber dann war der Katalog ins Haus geflattert und er hatte nicht lange nachgedacht!! Die Preise waren zwar exorbitant, aber die Technik hat ihn überzeugt.

Das war es!!! Harald Bonsahy schmunzelt, diese hier ist jeden Cent wert. Die Bilder flackern über den Bildschirm, als er das Flugobjekt durch den Garten lenkt, lautlos schwebt es vor den Fenstern der Nachbarn, perfekter Einblock, perfekte Beobachtung, lautlos und unbemerkt. Es ist Dämmerung, der leise Beobachter steht nun vorm Badezimmerfenster der Nachbarfamilie. Michelle, diese kleine Hure, die macht das doch mit Absicht, das kann doch nicht wahr sein! Harald grinst breit, als sich die Bilder auf seinem Monitor aufblättern. Wie sie sich dreht und wendet, das ist doch Show, die weiß doch, dass sie beobachtet wird. Er spürt die Erregung steigen, sein Atem wird schneller, dieses Miststück, die weiß genau, was sie tut.

Dass die Tür seines Büros sich geöffnet hat und Sylvia das Zimmer betreten hat, merkt er erst, als sie hörbar die Luft einzieht „Harald!!“ Ein erschrockenes Ausatmen,

schnell clickt er rechts oben in das Monitorfenster und verschließt die Seite mit den Bildern.

„Das ist nicht…“, stammelt er erschrocken.

Er dreht sich um und sieht in das Gesicht seiner Frau. Ein mageres, verlebtes Gesicht, gepflegt und geschminkt mit dem Bemühen das Einstige zu erhalten. Aber mager, verlebt, alt und erschrocken, jetzt zutiefst erschrocken die Augen mit den schlaffen Lidern nun mit Tränen gefüllt, ein fassungsloser Blick, der den seinen sucht.

„Nein Harald, „ flüstert sie, „nicht wieder!“ und „Bitte nicht!“ und „Nicht wie bei Gabriel!“ bevor sie aufschluchzend das Zimmer verlässt.

Die Tür hinter sich offen lässt.

Für einen Moment ärgert er sich. Er ärgert sich über sich selbst, dass er nicht abgeschlossen hat. Er wollte doch nur ausprobieren nur mal sehen, ob das überhaupt geht. Konnte er denn wissen, dass die Kleine da so eine Show abziehen würde.

Verdammt!

Das hatte ihm gerade noch gefehlt, dass dieser ganze Terror wieder anfing.

Seine Familie ging ihm über alles, das musste Sylvia doch wissen! Er muss das wieder hinkriegen – Sylvia muss doch wissen, dass sich das mit Gabriel nicht wiederholen würde. Er hatte es versprochen, das wusste sie doch! Die blöde Kuh, wieso konnte sie ihm nicht vertrauen. So ein bisschen Vertrauen, war das denn zu viel verlangt? In einer Ehe, so einer jahrelangen, jahrzehntelangen Ehe? Ein bisschen Vertrauen, oder??

Hatte er sie schon jemals betrogen? Nein! Er nicht. Nicht wie andere Männer, er sah nicht nach anderen Frauen , das machte er nicht. Nein, da war doch wohl ein bisschen Vertrauen angebracht.

Ärgerlich öffnet er wieder die Seite mit den Fotos und sichert die Bilder. In einem Ordner, einem privaten Ordner. Den er wiederum sichert. An einer anderen Stelle, auf eine anderen Laufwerk, das er wiederum sichert. Auf einer externen Festplatte, die er absteckt. Man weiß ja nicht. Wenn hier noch nicht einmal mehr in der eigenen Familie mit Vertrauen zu rechen sein kann.

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